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Monday, October 4. 2010Der ständige Stau auf den Straßen
Seit Jahren ist es in vieler Munde, viele Medien haben sich schon drauf gestürzt: Der ständige Stau auf den Straßen ist ein andauerndes Ärgernis. Es scheint aber kaum praktikable Lösungsansätze zu geben. Oder etwa doch?
UrsachenAls Ursache für den ständig drohenden und manchmal schon stattfindenden Verkehrsinfarkt gilt allgemein "hohes Verkehrsaufkommen", wenn nicht gerade eine Baustelle oder ein Unfall die Situation punktuell verschärft. Nun muss man sich einerseits fragen, was denn "hohes Verkehrsaufkommen" bedeutet bzw. woran dieses "hoch" gemessen wird. Dabei kann man eigentlich nur zu dem Schluss kommen, dass es wohl höher ist als die Verkehrswege es verkraften können. Was kann bzw. muss man daraus schließen? Richtig, dass das Angebot von Verkehrsfläche wohl nicht mit der Nachfrage Schritt gehalten hat. Wie würde die Politik wohl reagieren, wenn Elektrizitäts- und Wasserwerke, Molkereien, Bäcker, Krankenhäuser, Autofabriken und alle anderen die Bevölkerung versorgenden Einrichtungen ständig weit hinter der Nachfrage her hinkten und Wartezeiten über Gebühr verursachten? Und was würde die Bevölkerung dazu sagen? Beim "Produkt" Straßenverkehr wird ein Mangel über lange Jahre bereits hingenommen. Warum nur? LösungsmöglichkeitenGrundsätzlich gibt es bei Mangelsituationen zwei Ansätze - genau wie es bei den Staatsfinanzen die Einnahmen- und die Ausgabenseite gibt. Hier ist es die Angebots- und die Nachfrageseite. Entweder vergrößert man das Angebot oder man verringert die Nachfrage, um ein Gleichgewicht herzustellen. NachfrageverringerungUm zu einer Nachfrageverringerung zu kommen, muss man sich erst einmal fragen, woher die große Nachfrage kommt. Fahren die Leute so gerne Auto, weil das Herumstehen im Stau so schön ist? Wohl kaum. Es handelt sich wohl um einen mehr oder weniger großen Zwang, eine Notwendigkeit, der sich die Menschen ausgesetzt sehen. Wie bereits an anderer Stelle geschrieben wäre viel damit geholfen, wenn der Staat den oft langen Weg zur Arbeit nicht steuerlich fördern würde, sondern vielmehr die Menschen ermutigen würde, den täglichen Weg zum Arbeitsplatz durch Umzug zu verkürzen. Der frühere Ansatz, nur die Fahrten jenseit von 20km steuerlich absetzbar zu machen, war völlig kontraproduktiv. Statt dessen sollten höchstens 20km absetzbar sein - wenn überhaupt. Um einen Umzug attraktiv und zumutbar zu machen, ist es aber nötig, die Langfristigkeit von Beschäftigungsverhältnissen zu fördern. Schließlich möchte man nicht alle zwei, drei Jahre wegen einer neuen, befristeten Stelle den Wohnort wechseln müssen. Wie wäre es mit einer Extra-Steuer auf befristete Arbeitsverträge, die der Arbeitgeber abführen muss? AngebotsvergrößerungZunächst muss mit dem Mythos aufgeräumt werden, neue oder bessere Verkehrswege zögen neuen Verkehr an oder produzierten gar zusätzlichen Verkehr. Diese irrige Annahme setzt voraus, dass Menschen unterwegs sein wollen, ohne dass dies einen Grund oder Zweck hat. Da Fahren reichlich Geld kostet und an sich nur für sehr Wenige ein Vergnügen ist, kann man den zusätzlichen Verkehr geradezu vernachlässigen. Natürlich verlagert sich Verkehr auf die besser ausgebauten Wege, aber damit kann Verkehr auch in gewünschte Bahnen kanalisiert werden. Die unsägliche Vorgehensweise gerade von Lokalpolitik, Viertel durch gegenläufige Einbahnstraßen unpassierbar zu machen, zeugt von Ignoranz und Verachtung gegenüber den Menschen, die an den sogenannten Hauptverkehrsstraßen wohnen müssen, weil sie sich eine Wohnung in den besseren Lagen, die die Politik fast vollständig vom Verkehr befreit hat, nicht leisten können. Nebenstraßennutzung
Durch Öffnen der quasi abgeriegelten Nebenstraßen wäre die Leistungsfähigkeit der Straßen schon ein ganzes Stück erhöht, ohne dass man neue bauen müsste. Ein weiterer Punkt ist die Optimierung der Ampelschaltungen. Man sollte den Politikern mal Videoaufzeichnungen von Straßenkreuzungen zeigen, in die eine Uhr eingeblendet ist. Hiermit könnte man aufzeigen, dass oft nur 50 bis 60 Prozent der Zeit überhaupt fließender Verkehr vorhanden ist, während zu wesentlichen 40 bis 50 Prozent der Zeit lediglich wartende Fahrzeuge vorhanden sind. Hier ist ein erhebliches Potenzial vorhanden - ebenfalls ohne jeglichen Neubau von Straßen oder zusätzliche Versiegelung von Fläche. Dass durch die Wartezeiten auch erhebliche Mengen an Kraftstoff vergeudet werden, scheint den Politikern auch noch nicht in den Sinn gekommen zu sein. So viel Energie kann durch die Computer, die die Ampeln steuern müssten, gar nicht verbraten werden. Es sind allerdings Investitionen in Verkehrserfassungsgeräte notwendig, z. B. Induktionsschleifen. Straßenausbau
Darüber hinaus sind aber auch zusätzliche Straßen notwendig bzw. Ausbau derselben. Oft ist ein Ausbau auch schon geplant, wird aber aus unerfindlichen Gründen nicht durchgeführt. Ein Beispiel hierfür ist der "Gürtel" in Köln, dessen letztes Stück seit Jahrzehnten auf Realisierung wartet, obwohl der Platz für die Straße seit eben dieser Zeit frei gehalten wird. Autobahnbaustellen
Ein anderes Ärgernis ist die Art und Weise, wie Autobahnen ausgebaut werden. Auch hier ein Beispiel aus dem Raum Köln. Jahrelang wird die A3 zwischen dem Kreuz Heumar und dem Kreuz Köln-Ost bzw. der Anschlussstelle Dellbrück ausgebaut. So weit, so gut. Nun aber ist - wiederum jahrelang - eine Baustelle zwischen dem Kreuz Köln-Ost und dem Kreuz Leverkusen vorhanden. Das bedeutet, dass alle, die von Frankfurt nach Oberhausen oder umgekehrt doppelt so lange wie nötig durch eine Baustelle behindert werden. Warum um alles in der Welt kann man nicht die beiden Abschnitte parallel mit mehr Bautrupps ausführen und zudem auch nachts und am Wochenende arbeiten, so dass die Dauer der deutlichen Verschlechterung der Situation bis zur Erlösung nach Fertigstellung des Gesamtprojekts so kurz wie möglich gehalten wird? Nach Recherchen des WDR Fernsehens wird auf Autobahnbaustellen - dort am Beispiel von Baustellen auf der A1 zwischen Leverkusen und Wuppertal - alles andere als zügig und effizient gearbeitet. Den Betrieb Straßen NRW scheint das völlig kalt zu lassen. Ihnen ist es offensichtlich egal, wie lange eine Baustelle besteht oder dass sie viele Kilometer lang ist, obwohl nur auf wenigen Hundert Metern gearbeitet wird. Warum das unterm Strich billiger sein soll als zügiges Arbeiten unter funktionierender Bauaufsicht, bleibt deren Geheimnis. Autofahrer-InformationSeit vielen Jahren frage ich mich, warum es zugelassen wird, dass ahnungslose Autofahrer auf eine Autobahn auffahren und damit gleich in einen Stau hinein fahren. Da es gute Verkehrsinformationssysteme gibt, wissen ADAC, Polizei und Rundfunkanstalten genau, dass das nur zur Vergrößerung des Staus führen kann. Ein einfaches Lichtsignal vor der Auffahrt, also vor dem "point of no return", würde viele Autofahrer dazu bringen, einen anderen Weg zu fahren. FazitDie Politik scheint ziemlich wenig interessiert an funktionierendem Individualverkehr. Wenn sie dann wenigstens entsprechend viel Energie in den Ausbau des ÖPNV steckte, wäre dabei noch ein Konzept erkennbar. Leider ist aber auch das nicht der Fall. Meiner Meinung sollte man das eine tun und das andere nicht lassen. Also einige (wenige) Straßen bauen bzw. erweitern, die Effizienz bei der Nutzung der vorhandenen Verkehrsflächen stark steigern, das Pendeln zu weit entfernten Arbeitsplätzen nicht mehr fördern - was sogar Steuer-Mehreinnahmen generieren wird - und gleichzeitig den ÖPNV fördern und ebenfalls optimieren. Trackbacks
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