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Wednesday, July 28. 2010Notenkritik, Gruppenarbeit und kooperatives LernenImmer wieder liest man in sogenannten "pädagogischen Fachblättern" von der Fragwürdigkeit von Noten, während gleichzeitig Gruppenarbeiten und kooperatives Lernen propagiert werden. Noten würden allein deshalb noch verwendet, weil sie so etabliert seien, aber schon in den 1970er Jahren sei man zur Erkenntnis gelangt, dass sie "keinerlei konkrete Rückmeldungen" gäben und sich nicht auf die "Qualität des erworbenen Wissen" bezögen und sie keinen "pädagogischen Leistungsbegriff" widerspiegeln. Es ginge um ein "erweitertes Lernverständnis, welches über die Vermittlung reinen Wissens hinausgeht" statt eines "traditionell engen Leistungsbegriffs". Es ist durchaus richtig, dass es neben dem reinen Wissen auch um die Anwendung desselben und um sozial-kommunikative und die methodisch-strategische Kompetenz geht. Nur leider wird von den "Pädagogen" völlig verkannt, dass das kritisierte "reine Wissen" eine zwingende Voraussetzung für Erwerb und Anwendung der weiteren Kompetenzen ist. Das - teilweise auch wirklich rein lexikalische - Wissen ist durch noch so viel soziale und emotionale Kompetenz nicht zu ersetzen. Leider missachten viele "Pädagogen" auch die Individualität der Lernenden, obwohl sie oft auf der "individuellen Förderung" herumreiten. Nicht alle Lernenden sind Gruppenlerner, denen mit "kooperativem Lernen" geholfen ist. Nicht alle Lernenden sind hochkommunikative Wesen oder wollen dieses sein. Es gibt auch noch den traditionellen Buchlerner, die Schüchternen, die Einzelgänger. All diese können durchaus hoch leistungsfähig sein, mögen sich aber - aus den verschiedensten Gründen - an der üblichen Gruppendynamik nicht beteiligen. Genau diese Gruppe fällt bei den heute propagierten Methoden durchs Raster und soll in die Zwangsjacke des Gruppenlernens gepresst werden. Wäre es nicht viel sinnvoller, verschiedene Methoden des Lernens anzubieten, und dann den Lernenden zu überlassen, welche sie davon für sich übernehmen und anwenden möchten? Am Ende kann dann - ganz klassisch - der Wissensstand beurteilt werden, ohne auf die Persönlichkeiten der Prüflinge einen Kommunikationsdruck auszuüben. Hierbei kommt die ganz normale Klausur oder auch praktsische oder mündliche Prüfung zum Einsatz, die das erworbene Wissen abfragt - teils als Einzelfragen, teils als Themenvorgabe für eine Ausarbeitung oder einen Vortrag, teils als größere, zusammenhängende Aufgabe, die es zu lösen gilt. Problematisch bei Gruppenarbeiten ist auch nach wie vor die Einbeziehung in die Benotung. Schon bei der Zusammenstellung von Gruppen gibt es Widerstände, denn wenn das Gruppenergebnis die eigene Note darstellt, dann möchte natürlich jeder mit den Leistungsstärksten zusammen arbeiten, um von diesen zu profitieren. Da ein Gruppenergebnis am Ende schwer sezierbar ist, um die Einzelleistung zu bestimmen, gibt es eigentlich nur drei Möglichkeiten:
Über die Benotung hinaus ist eine Gruppenarbeit durchaus hilfreich, denn Kooperation und Kommunikation sind bedeutsam und müssen eingeübt werden. Nur sollte die Benotung dieser sozialen Kompetenzen von der Beurteilung der Fähigkeiten in den einzelnen Fächern durchaus getrennt werden. Dann können auch die oben erwähnten Einzelgänger mit fachlich hoher Kompetenz entsprechend gut beurteilt werden, während ihre kommunikativen Defizite außerhalb der Fachnoten kommuniziert werden müssten, falls daran überhaupt ein Interesse besteht. Die grundsätzliche Frage nach dem Sinn und Zweck von Noten ist noch einmal zu stellen. Es geht darum, dass man potenziellen Arbeitgebern die Möglichkeit geben möchte, sich vorab ein Bild über die Leistungsfähigkeit eines Bewerbers zu machen. Beim Bewerbungsgespräch können eben nicht die Fähigkeiten einer mehrjährigen Ausbildung oder eines Studiums abgeprüft werden. Wohl aber bekommt man verhältnismäßig schnell einen Eindruck davon, wie jemand sich sozial und kommunikativ präsentiert. Hierzu eignen sich die üblichen und bewährten Bewerberauswahlverfahren, bei denen auf fachlich niedrigem Niveau oder sogar völlig ohne Fachbezug Aufgaben innerhalb einer Gruppe gelöst werden, was durch erfahrene Personaler beobachtet wird. Also sollten Ausbildungseinrichtungen schon einen großen Wert auf die Entwicklung der sogenannten "weichen" Kompetenzen legen, ohne aber deren Einschätzung in die fachliche Beurteilung einfließen zu lassen, weil die zu einer Verwässerung der Noten führen würde. Wir wissen sicherlich alle, wie wenig vergleichbar Noten oft sind. Daher sollte man diesen Mangel durch die Integration fachfremder Kriterien nicht noch weiter vergrößern.
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